Das weiße Blatt füllen

Das weiße Blatt füllen.

Designer Naoya Tsukamoto im Interview.

Jeder Designprozess beginnt mit einer Aufgabe. Vor dem Designer liegt ein weißes Blatt Papier, daneben gespitzte Bleistifte oder ein paar bunte Copic-Marker. Bei diesem einen Blatt wird es nicht bleiben. Viele weitere folgen und jedes einzelne will gefüllt werden. Doch wie kommen die Ideen in den Kopf des Designers und von dort auf das Papier? Was gibt Designern Inspiration und Orientierung? Wir haben Naoya Tsukamoto gefragt, Senior Designer im Industrial Design Center von Mitsubishi Electric.

 

 

» Einen Großteil meiner Inspiration beziehe ich
tatsächlich aus Mangas, Animes und Videospielen,
die ich in meiner Kindheit gesehen habe.«

  • – Designer Naoya Tsukamoto –

 

 

 

changes: Woran orientieren Sie sich, wenn Sie ein neues Produkt entwerfen?

Naoya Tsukamoto: Ich stelle mir vor, ich wäre der erste Kunde des Produktes. Was wären meine Erwartungen, wo würde ich welche Elemente verorten und so weiter. Ich mache meine Entwürfe ja nicht für mich, sie sollen die Nutzer weiterbringen.

changes: Wodurch zeichnet sich gutes Design für Sie aus?

Naoya Tsukamoto: Es sollte schon ikonisch sein, eigenständig für sich selbst stehen, auf das Wesentliche reduziert, und ja, ruhig auch ein wenig geheimnisvoll.

changes: Was ist erfahrungsgemäß immer die größte Herausforderung beim Produktdesign?

Naoya Tsukamoto: Klare Antwort: Zu wenig Zeit.

changes: Welche Einflüsse fließen in Ihre Arbeit ein, woher beziehen Sie Ihre Inspiration?

Naoya Tsukamoto: Mein Hintergrund als Automobilingenieur beeinflusst natürlich auch meine Entwürfe hier im Industriedesign-Bereich. Einen Großteil meiner Inspiration beziehe ich aber tatsächlich auch aus Mangas, Animes und Videospielen, die ich in meiner Kindheit gesehen habe.

changes: Was glauben Sie, was in Zukunft die wichtigsten Trends für das Industriedesign sein werden?

Naoya Tsukamoto: Zum einen denke ich, dass am Nutzer in Zukunft kein Weg mehr vorbeiführt, wenn man ein gutes Design schaffen will. Ihn werden wir zukünftig sicher noch mehr als heute berücksichtigen und am Prozess beteiligen. Ein Punkt, der mehr die Herstellung betrifft, ist sicher der Übergang von der aufwendigen Spritzgussfertigung zum CNC- und 3-D-Druck, die unsere Entwürfe viel früher anfassbar und erlebbar machen.

changes: Was sind Ihre persönlichen Top 3 der Produktdesigns?

Naoya Tsukamoto: Eine schwierige Frage (…) bei Autos ganz klar der Ferrari Testarossa. Ich mag die Audemars Piguet Royal Oak, die zu ihrer Zeit das Uhrendesign auf den Kopf stellte. Und den Aeron Chair, der hat es sogar ins Museum of Modern Art geschafft.

changes: Welchen Designer bewundern Sie persönlich am meisten?

Naoya Tsukamoto: Das sind einige, zum Beispiel die Autodesigner Giorgetto Giugiaro oder Marcello Gandini, der die Lam borghini Miura und Countach entworfen hat, Philippe Starck, Gérald Genta mit seinen Entwürfen für Uhren – die Royal Oak stammt übrigens auch von ihm – oder Luigi Colani. Ich bewundere sie alle, eine klare Nummer eins habe ich nicht.

changes: Welches Produkt, das Sie entworfen haben oder an dem Sie mitgearbeitet haben, könnten wir kennen?

Naoya Tsukamoto: Zum Beispiel die Drahterodiermaschinen aus der MV-S/R-Serie, der MP-Serie oder der MX-Serie, aber auch die Senkerodiermaschinen aus der EA-S-Serie und Laserbearbeitungsmaschinen aus der eX-F-Serie.

changes: Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Woran arbeiten Sie gerade?

Naoya Tsukamoto:  Momentan arbeiten wir am Aufbau einer einheitlichen, wiedererkennbaren Mitsubishi Electric Designsprache für Verarbeitungsmaschinen der nächsten Generation –
eine sehr spannende und herausfordernde Aufgabe.

changes: Herr Tsukamoto: Vielen Dank für das Gespräch.

Changes No. 7

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