Kennen Sie Kintsugi?

Scherben bringen Glück

Allgemein
09.02.2021

Scherben bringen Glück. Ärgerlich wenn die Lieblingstasse oder das zehnteilige teure Service zu Bruch geht. Aber aus einem Scherbenhaufen kann sogar Kunst entstehen.

Kintsugi ist eine traditionelle japanische Methode, zerbrochene Keramik zu reparieren. Das Besondere dabei: Kintsugi versucht nicht, die augenscheinlichen Makel der Reparatur zu verbergen, sondern stellt diese eindrucksvoll durch die Verwendung von Gold- oder Silberpigmenten in den Vordergrund. Das Ergebnis ist eine völlig neue Ästhetik und vor allem eine Wertschätzung des ursprünglichen Objekts.

Der Ursprung liegt in einer Teeschale

Man sagt, dass Kintsugi auf einen Shōgun des 15. Jahrhunderts zurückgeht. Nachdem er eine seiner chinesischen Teeschalen aus Versehen zerbrach, schickte er diese zur Reparatur nach China und wurde von dem Ergebnis enttäuscht. Daraufhin regte er eine ästhetisch ansprechendere Methode an, seine Lieblingsschale wieder ansehnlich zu machen. Das Ergebnis war Kintsugi. In einem langwierigen Prozess wird zerbrochene oder gesprungene Keramik repariert, wobei der japanische Lack „urushi“ in mehreren Schichten aufgetragen, wahlweise mit goldenen oder silbernen Pigmenten bestäubt und anschließend poliert wird.

Reparieren statt entsorgen

So ergänzen sich gebrochene Stücke zu einem neuen Ganzen, das in den meisten Fällen der Schönheit des Originals in nichts nachsteht. Ein schöner Gedanke, oder? Aber das Wichtigste an Kintsugi ist nicht die physische Erscheinung des eigentlichen Objekts sondern deren Schönheit und individuelle Bedeutung.

Dabei zeugt Kintsugi nicht nur von Kunstfertigkeit – sie gibt einen Einblick in die Wertschätzung der Dinge in Japan. Reparieren statt entsorgen. In der heutigen „Wegwerfgesellschaft“, in der Nachhaltigkeit immer wichtiger wird, eine fantastische Alternative.

 

Unser Tipp: Öfters reparieren statt einfach wegschmeißen – vielleicht ergibt sich ja ein tolles Kunstwerk!